Wer seine Erfolgspotentiale voll ausnutzen möchte, muss sich über neue Produkte, über neue Märkte und Marktanteile sowie über Kosteneffizienz Gedanken machen. Denn jedes Produkt hat einen Produktlebenszyklus und bleibt nicht ewig unverändert am Markt. Wer es nicht schafft, neue Erfolgschancen aufzuspüren und zu verwirklichen, verliert mittel- bis langfristig Umsätze und Gewinne. Man spricht von einer strategischen Lücke (siehe Abbildung).
Praxisbeispiel: Ein Tischlereiunternehmen ist ein Familienbetrieb und produziert seit 30 Jahren Küchen und sonstige Möbel. Die Konkurrenz der großen Möbelhäuser spürt auch die Tischlerei. Hält die derzeitige Entwicklung an, so wird in fünf Jahren der Deckungsbeitrag nicht mehr ausreichen, um die Fixkosten zu decken. Das Tischlerunternehmen muss sich neue Kundengruppen oder neue Produkte suchen. Es spezialisiert sich auf Wintergärten und schließt rechtzeitig die strategische Lücke.
In einem ersten Schritt wird die gewünschte Entwicklung hinsichtlich Umsatz, Gewinn oder Marktpositionierung festgestellt. Diese hängt stark von den Zielsetzungen des Unternehmers ab. Die Zielvorgaben werden oft auch durch Anteilseigner vorgegeben (zB Eigenkapitalverzinsung von 20 % bei Private Equity).
Diese Zielvorgaben vergleicht man mit der Weiterentwicklung des jetzigen Unternehmenserfolgs (zB Umsatz und Gewinn steigen mit der Inflationsrate). Wenn man aus der gewünschten Entwicklung mehr Ertrag erhofft als bei voraussichtlicher Entwicklung möglich ist, so scheint eine strategische Lücke auf. Die Gefahr einer strategischen Lücke wird oft unterschätzt, da die Folgen zu Beginn noch nicht offensichtlich sind. Wenn die strategische Krise zu einer Ertrags- oder Liquiditätskrise wird, bestehen geringere Handlungsmöglichkeiten.
Um eine strategische Lücke zu schließen, bedarf es einer Planung über vier bis fünf Jahre. Große Unternehmen und Unternehmen mit großem Investitionsbedarf planen bis zu zehn Jahren. In einem ersten Schritt wird das externe Umfeld (Kunden, Markt, Preis, Produkt, Trends, Technologie, Anbieter etc.) sowie das interne Umfeld (Management, Mitarbeiter, Kostenstruktur, Produktion, Marketing und Vertrieb etc.) analysiert.
Zählen Sie Ihre Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zunächst in einer Liste auf und beurteilen Sie dann den Ist- bzw. Soll-Zustand nach dem Schulnotensystem. SWOT bedeutet: Strengths, Weaknesses, Opportunities und Threats.
Aus der SWOT-Analyse und den Zielvorgaben ergibt sich dann eine Planung in Zahlen ausgedrückt. In der mittel- bis langfristigen Betrachtung können Sie das Problem der Unsicherheit in der Planung insofern überbrücken, als Sie zusätzlich zu Ihrer „Normalplanung“ auch den Worst-Case und den Best-Case planen. Worst-Case wäre zum Beispiel ein Umsatzeinbruch von 40 %. Wenn Ihr Unternehmen auch diese Schlecht-Wetter-Prognose überlebt, dann sind Sie quasi „wetterfest“. Sollte es beim Worst-Case zur Unternehmenspleite kommen, muss man überlegen, ob es das Risiko wert ist bzw. was die Konsequenz aus diesem Szenario ist.
Praxistipp |
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Wenn Sie bankfinanziert sind, zeigen Sie Ihre Planung der Bank. Eine vorhandene Planung wirkt sich sehr positiv auf das Rating aus (siehe Artikel Basel II). |