
Matthias Horx,
Trend- und Zukunftsforscher
Matthias Horx: Indem man versteht, wie sich Gesellschaften, Ökonomien, Zusammenhänge ändern, und in welche Richtung. Die Zukunft passiert nicht einfach, sondern wird von uns produziert. Im Produktionsprozess findet man drei Zutaten, die von unserem Zutun abhängen: die formellen und informellen Verträge, die den Rahmen vorgeben, die Erwartungen und Mindsets, die wir gegenüber der Zukunft hegen, und die Events – der Zufall.
Dies sind Trends, die resistent vor Rückschlägen sind, global und sehr langfristig auftreten und unseren gesamten Lebensbereich beeinflussen. Wichtige Megatrends sind etwa die Globalisierung, die Erstarkung der Frau und die subjektive Verjüngung unserer Gesellschaft („Downaging“). 60jährige sind heute oft so fit wie früher 45jährige. Und die Männer-Frauen-Rollen verändern sich weiter. Ich erwarte spätestens in 2050, dass beide Geschlechter tatsächlich das gleiche Einkommen haben, da es zu einer Umverteilung der Bildung des Mannes zur Frau kommt.
In den USA ist eine Blase entstanden, wie sie in der Geschichte seit Beginn der Geldwirtschaft immer wieder vorkommt. Dadurch verlieren manche Banken nun Geld, müssen Wertkorrekturen hinnehmen, oder gehen pleite – das ist eigentlich normal, es kommt immer wieder vor. Es geht eher um eine Innovationskrise: Die Autoindustrie hat zum Beispiel verschlafen, dass der Markt übersättigt und Modellwechsel längst überfällig sind. Wir brauchen Produkte, die tatsächlich neu sind, mit anderen Antriebsweisen und cleverem Design. Das ist ähnlich in vielen Konsumgüterbranchen – wo gibt es denn heute noch echt nützliche, faszinierende Innovationen? Was uns fehlt, ist wirtschaftliche Kreativität. Die kommende Rezession wird hier zu einer Marktbereinigung führen, wie schon so oft. Alte, verknöcherte Firmen werden vielleicht in Konkurs gehen. Aber dafür wird viel Innovation entstehen.