
Dr. Ronald Newerkla, Wirtschaftspsychologe und Coach für Spitzenmanager
Newerkla: Wesentlich ist, zu schauen, wie wirkt sich die Krise im eigenen Unternehmen konkret aus. Wer diesen Schritt nicht analytisch genug macht, läuft Gefahr, durch panikartige Sparmaßnahmen gleichzeitig leistungsbestimmende Faktoren zu eliminieren. Geht man hier einfach nach den Personalkosten vor, so können Schlüsselarbeitskräfte unvorsichtigerweise eliminiert werden.
Man spart zwar ein, zerstört möglicherweise aber eine Betriebsstruktur, die dem Unternehmen bisher wesentliche Einnahmen sicherte. Hier kommt dann das psychologische Phänomen der ,,selbsterfüllenden Prophezeiung“ zum Tragen: Nicht die Krise brachte das Problem, sondern erst die Reaktion darauf.
In der Krise werden die Unternehmen zum Handeln gezwungen. Dabei scheint es angebracht, sich mit seinen Kunden an einen Tisch zu setzen und die zukünftige Zusammenarbeit auf eine neue Basis zu stellen. Dabei werden sowohl die Möglichkeiten des Unternehmens sowie die des Kunden beleuchtet und sodann nach alternativen Wegen der Zusammenarbeit geforscht. Kunden, mit denen auch in schweren Zeiten über Kooperationen nachgedacht wird, werden eine intensivere Beziehung aufbauen.
Ja, ganz bestimmt. Das liegt zum einen daran, dass es bisher nahezu immer aufwärts ging. Rückschläge kamen kaum mehr vor. Immer höher, immer mehr war Alltag. Jetzt müssen wir wieder lernen, dass es wie bei einer schwierigen Bergbesteigung auch Rückschläge gibt. Zudem gibt uns die aktuelle Situation auch die Möglichkeit, gesellschaftliche Werte neu zu definieren: Was zählt wirklich? Alleine darin liegt eine Chance der Krise.